Bundesliga-Auftakt: Derbystar liefert den Ball

„Wir wollten immer zurück in den Profi-Fußball“

von Michael Scheppe

Acht Jahre lang hat Adidas die Bundesliga mit Bällen ausgerüstet. Nun liefert Derbystar das Spielgerät. Die Geschäftsführer sprechen über den Fußball-Auftakt, ehrliche Bälle und das Risiko Bundesliga.

Joachim Böhmer (r.) und Andreas Filipovic sind die Geschäftsführer von Derbystar. Die kleine Firma stellt ab dieser Spielzeit den Ball für die Bundesliga.

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Wenn Bayern München und die TSG Hoffenheim am Freitag die neue Bundesliga-Saison eröffnen, kicken die Profis mit der Pille von Derbystar. Der Mittelständler aus Goch am Niederrhein wird die kommenden vier Jahre den Ball liefern. Ein Novum: Acht Jahre lang hatte Adidas das offizielle Spielgerät gestellt.

Ein Fußballzwerg hat Adidas vom Platz gespielt – den Marktriesen, der zuletzt 21 Milliarden Euro umsetzte, fast 60.000 Mitarbeiter beschäftigt und weltweit jeden vierten Ball verkauft. Was das Sponsoring angeht, ist der Dax-Konzern mittlerweile wählerischer geworden. An der Vergabe der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat sich Adidas erst gar nicht beteiligt. Das Unternehmen konzentriert sich nur noch auf die wichtigsten und medienwirksamsten Vereine und Ligen. Für Derbystar eröffnet das neue Chancen. Doch das Risiko ist hoch, muss die kleine Firma doch mehrere Millionen Euro Lizenzgelder bezahlen.

Die WirtschaftsWoche hat mit Joachim Böhmer und Andreas Filipovic gesprochen, den beiden Geschäftsführern von Derbystar.

Herr Böhmer, Herr Filipovic, wo verfolgen Sie den Bundesliga-Auftakt?
Filipovic: Wir sind beim Eröffnungsspiel dabei, wir haben Karten für die VIP-Lounge in München bekommen. Das wird ein Erlebnis für uns, auf das wir acht Jahre lang hingearbeitet haben.

Was ist denn überhaupt anders am „Brillant“, Ihrem neuen Liga-Ball?
Böhmer: Wir haben einen ganz neuen und weicheren Ball entwickelt. Einen, der ehrlich ist.

Im Ernst, was soll an einem Ball ehrlich sein? 
Filipovic: In den vergangenen Jahren hatte man den Eindruck, dass der Ball zunehmend als Marketing-Produkt instrumentalisiert wurde.
Böhmer: Unser Ball besteht aus 32 Teilen, er ist genäht und nicht geklebt. Torhüter haben uns berichtet, dass sie sehr zufrieden sind mit dem Ball, auch, weil er eine sehr griffige Oberfläche hat. Sie können ihn so besser fangen.

Adidas hat, heißt es in Ligakreisen, jedes Jahr fünf Millionen Euro für den Deal mit der Deutschen Fußball-Liga (DFL) bezahlt. Und Sie?
Böhmer: Die genaue Summe können wir nicht nennen, das haben wir vertraglich festgehalten.
Filipovic: Was wir sagen können: Die DFL hat sich nicht fürs Geld entschieden. Sonst hätten wir den Auftrag nicht bekommen.

Ligakenner gehen davon aus, dass Sie jedes Jahr drei bis vier Millionen Euro an die DFL überweisen müssen. Viel Geld für ein Unternehmen Ihrer Größe.
Böhmer: Wie hoch die Summe auch sein mag, das ist schon eine riesige Investition für uns. Aber die haben wir in Kauf genommen, um in den Profi-Fußball zurückzukehren.

Das Risiko ist nicht zu unterschätzen. Sie müssen die Millionenzahlungen durch höhere Ballverkäufe wieder refinanzieren. Wie wollen Sie das schaffen?
Böhmer: Wir verkaufen jedes Jahr etwa eine Million Bälle. Durch den Bundesliga-Deal wollen wir pro Saison 500.000 zusätzlich verkaufen. Dank des Bundesliga-Balls sind wir jetzt wieder in einem Segment, in dem wir vorher lange nicht vertreten waren, auch preislich gesehen. Und dank der Lizenz können wir unseren Kunden neben den Original-Bundesliga-Bällen preisgünstigere Replicas, Trainings- und Mini-Bälle im Design des Originals anbieten.

Eine Studie zeigt allerdings, dass das Geschäft mit den Liga-Bällen nicht sonderlich lukrativ ist. Demnach verkaufen Ballausrüster in einer durchschnittlichen Saison nicht mehr als 100.000 Bälle.
Böhmer: Kein Mensch kann genau sagen, wie viel Bälle wir am Ende verkaufen werden. Aber wir trauen uns da einiges zu – allein von dem Mini-Ball wollen wir etwa 100.000 Stück verkaufen.
Filipovic: Wir trauen uns das durchaus zu, die Marke von einer halben Million Bälle zu erreichen. Seit Anfang Juni kann der Liga-Ball jetzt gekauft werden und bislang ist die Resonanz fantastisch, ohne Ihnen schon Zahlen zu nennen. Erkennbar ist auch, dass sich der Originalball bislang am besten verkauft.
Böhmer: Ja, es stimmt schon: Der Bundesliga-Deal mag durchaus ein Risiko für uns sein. Aber es ist aus unserer Sicht überschaubar. Hinzu kommt: Wenn wir dieses Risiko nicht eingehen, könnte unsere Marke zu sehr an Bedeutung verlieren.

Warum?
Böhmer: Fragen Sie mal einen Zehnjährigen, ob der Derbystar überhaupt kennt. Da machen wir uns gar nichts vor – der Junge wird den Namen nicht mit Bällen in Verbindung bringen.
Filipovic: Wir müssen deshalb aufpassen, dass uns Derbystar als Marke nicht wegstirbt. Es geht im Sportgeschäft mittlerweile doch nicht mehr um das beste Produkt, sondern darum, wen du unter Vertrag hast und mit wem du wirbst. Bei diesem Spiel können wir mit den Großen nicht mithalten. Für uns ist es deshalb immens wichtig, mit der Bundesliga eine Bühne zu haben, auf der wir uns zeigen können. 
Böhmer: Wir machen uns da auch nichts vor, unser Image hat schon darunter gelitten, nicht mehr im deutschen Profi-Fußball vertreten zu sein. Dann wird man schnell als Kreisliga-Ball abgestempelt. Obwohl wir seit 2006 die erste und zweite Liga in Holland ausstatten, waren unsere Bälle hauptsächlich auf den Plätzen der Amateurvereine sichtbar – durch die nationale und sogar internationale mediale Präsenz der Bundesliga ergeben sich nun reichweitenstarke Möglichkeiten für uns.

2010 hat die DFL beschlossen, den Einheitsball einzuführen, das ist acht Jahre her. Warum haben Sie nicht schon früher versucht, in die Bundesliga zurückzukommen?
Böhmer: Wir wollten immer zurück in den Profi-Fußball. Wir hätten schon an der Ausschreibung vor vier Jahren teilnehmen können, doch dafür fühlten wir uns noch nicht bereit. 2016 gab es dann für die neue Ausschreibung erste Gespräche mit der DFL. Wir hatten immer losen Kontakt gehalten.

Warum hat sich die DFL für Sie entschieden?
Filipovic: Das müssen Sie die DFL fragen. Wir können da nur vermuten: Auch in Frankfurt wollen sie wieder die traditionelleren Werte des Fußballs betonen. Das dürfte auch dem Image der Bundesliga helfen, gerade vor dem Hintergrund der Debatten um Investoren im Fußball und zu viel Glamour.

Beim Eröffnungsspiel an diesem Freitag schauen Fans aus über 200 Ländern zu. Hoffen Sie, dass auch andere Fußball-Ligen Interesse an Ihrem Ball finden?
Böhmer: Wir wollen erst einmal diesen Job vernünftig machen als über andere Ligen zu spekulieren. 
Filipovic: Mehr geht auch gar nicht für uns im Moment. Wir haben eher das Ziel, den Vertrag mit der DFL in vier Jahren zu verlängern.

Wie sich der Preis eines Fußballs zusammensetzt.

Quelle: WirtschaftsWoche

Spielen Sie eigentlich selbst Fußball?
Böhmer: Ich trainiere in meiner Freizeit die Kreisliga-B-Mannschaft des SV Nütterden. Wir wollen aufsteigen.
Filipovic: Den richtigen Ball hat das Team auf jeden Fall – und wenn es jetzt nicht klappt, kann es nur noch am Trainer liegen …