ProSiebenSat.1

Von Ebeling bleibt ein Geschmäckle – und eine Millionen-Abfindung

von Peter Steinkirchner

ProSiebenSat.1 fliegt aus dem Dax, Ex-Chef Thomas Ebeling verdient dennoch prächtig – er darf sich über eine Millionen-Abfindung freuen. Was nach neun turbulenten Jahren Ebeling bleibt, ist ein ziemliches Geschmäckle.

Thomas Ebeling, Ex-Chef von ProSiebenSat.1, erhält eine Millionen-Abfindung.

Quelle: imago

Die Älteren werden sich erinnern: Vor vielen Jahren, in der Frühphase des Fernsehens, lief im Programm eine sehr beliebte Samstagabendshow. Der Titel der Sendung: „Einer wird gewinnen“. Das Format ist längst Geschichte. Doch der Titel der Sendung könnte heute mehr denn je Programm sein für das Unterföhringer TV- und Online-Konglomerat ProSiebenSat.1.

Wer hier gewinnt, steht außer Frage: Laut dem jüngst veröffentlichten Geschäftsbericht darf sich Thomas Ebeling, der bis Ende Februar an der Spitze der Unternehmung stand, noch bis Ende Juni 2019 über eine hübsche Millionen-Abfindung freuen. Insgesamt 7,1 Millionen Euro wird der ehemalige Pharma-Manager verdienen, der neun Jahre lang die Geschicke im Münchner Vorort lenkte.

Was sich Ebeling zugutehalten kann: Aus dem einstigen Penny-Stock hat er, dem als komplett Branchenfremdem zu Beginn kaum einer etwas zugetraut hatte, ein Dax-Mitglied geformt; auf dem Papier reduzierte er die Abhängigkeit des Konzerns vom volatilen TV-Werbegeschäft. Und 2017 erlöste das Unternehmen erstmals mehr als vier Milliarden Euro.

Seine Strategie basierte unter anderem darauf, Sender wie N24 oder TV-Ableger etwa in Skandinavien zu verkaufen und stattdessen in zunehmend erratischer Art und Weise und erhöhtem Tempo ein Online-Unternehmen nach dem anderen aufzukaufen oder sich an ihm zu beteiligen und diese anschließend in wechselnden Konstellationen zu „Clustern“ zusammenzuschustern. Doch wie nachhaltig die Strategie, an der schon sich seit geraumer Zeit die Zweifel entzünden – diese Frage wird Ebeling nicht mehr beantworten müssen.

Mit seinem Abfindungspaket ist er fein raus, mit den Hinterlassenschaften muss sich ab dem Sommer der neu bestellte Vorstandschef Max Conze herumschlagen. Ob es ihm gelingt, den laufenden Niedergang der ProSieben-Aktie zu bremsen, ist sehr fraglich – das Papier hat in den vergangenen zwölf Monaten 30 Prozent seines Wertes verloren, so viel wie kein anderer Dax-Konzern. Die Konsequenz für die Aktie ist klar: Sie verliert die Mitgliedschaft im Klub der 30 wichtigsten Börsenwerte. Gewonnen hat daher am Ende wohl nur einer. Was nach neun turbulenten Jahren Ebeling bleibt, hat ein ziemliches Geschmäckle.