Rossmann nimmt Preiskampf auf

„Vor Aldi brauchen wir uns nicht zu verstecken“

von Henryk Hielscher

Kampfansage einer Drogeriegröße: In deutlichen Worten erklärt Dirk Roßmann, warum er sich weder vor Discountern noch vor Online-Angreifern fürchtet.

Im Preiskampf mit Aldi gibt sich Drogerieunternehmer Dirk Roßmann selbstbewusst. „Vor Aldi brauchen wir uns nicht zu verstecken, wir können jede Preisaktion mitgehen", sagte Roßmann im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Wir schreiben konstant solide Gewinne und können uns Preisscharmützel leisten", so der Rossmann-Chef. Aldi hatte zuletzt mit Rabattaktionen für Nivea-Produkte für Aufsehen im Markt gesorgt. „Im Grunde sind wir diejenigen, die die Dynamik in den Markt bringen. Wir gehen alle 14 Tage mit Sonderangeboten für 800 Artikel raus.“

Auch den Einstieg von Start-ups und Händlern wie Zalando und Otto ins Online-Geschäft mit Kosmetik- und Drogeriewaren sieht der Unternehmer gelassen. „Da wird gerade viel heiße Luft produziert“, sagte Roßmann der WirtschaftsWoche. „Wir hatten diese Phasen schon oft, dass sich alle auf ein vermeintlich lukratives Geschäft gestürzt haben“. So würden Online-Kunden bevorzugt margenschwache Artikel wie Windeln, Toilettenpapier und Kaffee kaufen „und damit lässt sich kein Geld verdienen“, so Roßmann. „Es gibt weltweit nicht ein relevantes Handelsunternehmen, das online mit dem Verkauf von Drogeriewaren und Lebensmitteln wirklich Geld verdient“.

Überall, wo die Margen hoch sind, habe Online leichtes Spiel. „Aber bei Lebensmitteln und Drogerieartikeln funktioniert das nicht“, so Roßmann. Im Onlineshop fehlten die Spontankäufe, die in der Regel höhere Margen erzielen. „Damit meine ich die Haarbürste, den Lippenstift oder das Kaugummi“, so Roßmann.  Wenn es Otto & Co. gelänge, „Haarbürsten und Lippenstifte mit zu verkaufen, dann herzlichen Glückwunsch. Bei uns klappt das nicht.“

Auch der eigene Onlineshop sei defizitär, räumte Roßmann ein, das Angebot spiele für die Konzernzahlen aber auch kaum eine Rolle. Es gehe um lediglich rund 30 Millionen Euro Umsatz bei einem Gesamtumsatz von mehr als 9 Milliarden Euro. „Das Online-Geschäft ist für uns in Summe völlig unbedeutend“, so Roßmann. 

Die Einschätzung ist dennoch brisant, schließlich hatte Rossmann erst im Sommer vergangenen Jahres eine Kooperation mit dem Online-Riesen Amazon gestartet. Seither können sich Berliner Kunden des Abo-Dienstes Amazon Prime rund 5000 Artikel aus dem Rossmann-Sortiment binnen einer Stunde liefern lassen. Darunter neben Haushaltsartikeln und Kosmetik auch Babyprodukte und Lebensmittel. „Der Test mit Amazon läuft noch“, sagte Roßmann ohne auf weitere Details einzugehen. Es gehe aber darum, „besser zu verstehen, welche Angebote von den Kunden wie genutzt werden, und weniger um schnellen Gewinn.“ 

Weiteres Wachstum sollen zusätzliche Läden vor allem im Ausland bringen. „Wir werden in Deutschland weiter neue Filialen eröffnen, aber nicht mehr in den Größenordnungen früherer Jahre“. Im Ausland gebe es dagegen „noch viele Expansionsmöglichkeiten“. So plant die Kette 2018 Investitionen von 210 Millionen Euro. 230 neuen Filialen sollen eröffnet werden, 105 davon in Deutschland.

Rossmann betreibt in sechs europäischen Ländern 3770 Märkte und beschäftigt 54 500 Mitarbeiter. Rund 32 000 sind es in Deutschland, wo das Umsatzwachstum mit 4,5 Prozent unterdurchschnittlich auf 6,4 Milliarden Euro stieg. Die Auslandsgesellschaften in Polen, Ungarn, Tschechien, der Türkei und Albanien trugen insgesamt 29 Prozent zum Umsatz des Konzerns bei. Ihre Erlöse stiegen um 12,9 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro.

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