RWE

Göttlicher Beistand für den Hambacher Forst

Die Braunkohlegegner im Hambacher Forst bekommen Unterstützung von der katholischen Gemeinde. So plant der Katholikenrat aus Düren eine Prozession durch den Wald. Das kommt nicht bei allen Kirchenvertretern gut an.

Zwei Polizisten stehen vor einem Baumhaus im Hambacher Forst.

Quelle: dpa

Sponti-Sprüche, anarchische Slogans und viel Hohn gegen RWE bestimmen den Ton auf den Transparenten rund um die Baumhäuser der Braunkohlegegner im Hambacher Forst. Das Protest-Inventar gegen die Rodung der Bäume im Rheinischen Revier durch RWE soll Ende September um ein ganz besonderes Symbol erweitert werden: Der Katholikenrat der rheinischen Region Düren hat angekündigt, eine Prozession mit dem Aachener Friedenskreuz durch den Hambacher Forst zu begehen. Der Katholikenrat möchte ein „deutliches, friedliches Zeichen für den Fortbestand unserer Erde“ und gegen die „Gewinnsucht unserer Zeit“ setzen.

Für den Essener Energiekonzern RWE könnte diese voraussichtlich überschaubare Prozession von Katholiken kaum ungelegener kommen. Nach dem erbitterten – und teils gewalttätigen Widerstand – von Umweltaktivisten gegen die Rodung des Hambacher Forstes könnte ein Übergreifen des Protestes auf breitere Bevölkerungsgruppen dem Image der Kohlesparte von RWE weiter zusetzen. Doch auch innerhalb der Kirche wird die Prozession durch den Hambacher Forst nicht überall gerne gesehen. Der Grund: Die Kirche vor Ort ist stark von der Gunst von RWE abhängig.

Bedenken kommen vom Kirchenvorstand der Pfarre St. Laurentius in dem Dorf Merzenich, das unmittelbar neben dem Tagebau liegt. Der Kirchenvorstand hält die friedliche Prozession, die das Bistum Aachen unterstütze, laut einem internen Schreiben zwar für „gut gemeint“, aber auch für „höchst bedenklich“. Der Grund: Eine Prozession würde „die ohnehin schon angespannte Situation rund um den Hambacher Forst nur noch mehr aufheizen“.

Doch der Kirchenvorstand ist auch wegen anderer Gründe gegen die Prozession. So seien die Bewohner der Orte Manheim und Morschenich, die dem Ausbau des Tagesbaus weichen mussten und von RWE in neue Dörfer umgesiedelt wurden, „nicht unerheblich“ von RWE abhängig. Weiter heißt es in dem Schreiben: „Dies trifft auch auf die Kirchengemeinde St. Laurentius Merzenich zu. Auch sie war und ist bei der Abwicklung der Entschädigung bezüglich der Kirche und des Pfarrheims in Morschenich-Alt und des Neubaus der Kapelle in Morschenich-Neu auf das Entgegenkommen von RWE-Power angewiesen.“
Da sich die geplante Prozession „gegen RWE als Gegner und Zerstörer der Natur“ richten würde, will der Kirchenvorstand der Pfarre es „tunlichst unterlassen, Aktionen zu unterstützen, die unser Verhältnis zu RWE-Power belasten würden“. Seine Gemeindekirche wolle er für die Aktion deshalb nicht zur Verfügung stellen.

Gegen friedliche Demonstrationen habe der Kirchenvorstand Merzenich prinzipiell jedoch nichts einzuwenden. Der gewählte Zeitpunkt für die Prozession sei jedoch zu spät. „Hätte vor vielen Jahren eine solche Aktion stattgefunden, um für den Verbleib der Menschen in den beiden Umsiedlungsorten Manheim und Morschenich zu demonstrieren, wäre vielleicht auch der Hambacher Wald erhalten geblieben“, heißt es in dem Schreiben.