150 Flüge fallen aus

Ryanair droht Streikenden mit Stellenabbau

Die deutschen Ryanair-Piloten und das Kabinenpersonal streiken am Mittwoch, es geht um schlechte Arbeitsbedingungen und sehr geringe Grundgehälter. Ryanair reagiert mit Drohungen und 150 abgesagten Flügen.

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wie auch die für die Kabine zuständige Gewerkschaft Verdi haben für Mittwoch bei Ryanair ihre an den deutschen Basen angestellten Mitglieder zu einem 24-Stunden-Streik aufgerufen.

Quelle: REUTERS

Der Streik bei Ryanair ist noch nicht ausgestanden. Trotz erster Einigungen in anderen europäischen Ländern legen die deutschen Flugzeugpiloten mit einem zweiten 24-Stunden-Streik nach und erhalten Unterstützung von unerwarteter Seite. Einen Monat nach einem ersten Pilotenstreik drohen beim Billigflieger Ryanair damit an diesem Mittwoch erneut massive Flugausfälle und Verspätungen, 150 Flüge wurden bereits gestrichen. Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit wie auch die für die Kabine zuständige Gewerkschaft Verdi haben am Montagabend ihre an den deutschen Basen angestellten Mitglieder zu einem 24-Stunden-Streik aufgerufen. Erstmalig versuchen damit die Gewerkschaften der unterschiedlichen Berufsgruppen gemeinsam, Verbesserungen für die Beschäftigten des größten Billigfliegers in Europa zu erzielen.

„Es wird für Ryanair am Mittwoch sehr schwierig, noch Flugzeuge aus Deutschland zu bewegen“, sagte der Sprecher der Vereinigung Cockpit, Markus Wahl. Mit der ebenfalls streikbereiten Gewerkschaft Verdi sei man im Austausch. Der Ausstand der VC-Piloten soll am Mittwoch um 3.01 Uhr beginnen und am Donnerstag um 2.59 Uhr enden, wie die Gewerkschaft ankündigte. Verdi rechnet mit einer hohen Beteiligung am ersten gemeinsamen Streik der Flugbegleiter und Piloten. „Es gibt ein hohes Interesse daran, zu zeigen, dass man zusammensteht“, sagte Bundesvorstandsmitglied Christine Behle. „Wir haben den größeren Teil der Beschäftigten mittlerweile organisiert und es werden täglich mehr“, sagte sie über die etwa 1000 in Deutschland stationierten Kabinenmitarbeiter, von denen rund 700 Leiharbeitskräfte seien. Eine genaue Zahl der in der Gewerkschaft organisierten Kräfte wollte Behle nicht nennen.

Mittwoch sei kein verkehrsstarker Tag, so Maria Neumaier, die die Verhandlungen für Verdi führt. Es handele sich lediglich um „ein Warnsignal“ an den irischen Billigflieger. Ob es zu weiteren Arbeitskampfmaßnahmen komme, sei vom Verlauf der Verhandlungen mit dem größten europäischen Billigflieger abhängig. Ein nächster Termin für Tarifgespräche werde derzeit gesucht, sagte Behle.

Ryanair droht mit Stellenabbau als Folge der Streiks

Die Fluggesellschaft reagierte mit Unverständnis – und einer Drohung an die streikenden Mitarbeiter. Die Streiks seien nicht gerechtfertigt, sagte Ryanair-Sprecher Robin Kiely und forderte die deutschen Piloten auf, ihrer Arbeit nachzugehen. „Da wir bereits örtliche Verträge und eine verbesserte Bezahlung angeboten haben, gibt es keine Rechtfertigung für weitere Störungen“, erklärte er laut einer am Dienstag verbreiteten Mitteilung der irischen Billig-Airline. Marketing-Chef Kenny Jacobs machte in einem Statement die Vereinigung Cockpit für die Pleite der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin verantwortlich. Sie habe bei der Lufthansa-Tochter Eurowings längst niedrigere Gehälter akzeptiert, als sie jetzt bei Ryanair fordere. Für den Fall, dass die Streiks fortgesetzt würden, drohe ein Abzug von Flugzeugen und Jobs von nachgeordneten Standorten in Deutschland, die während des Winters Verluste machten.

Am 10. August hatten die deutschen Piloten gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Airline hatte in der Folge rund 400 Verbindungen abgesagt, rund ein Sechstel des für diesen Tag geplanten Europa-Programms. Betroffen waren damals rund 55.000 Passagiere. Rund ein Drittel der Flüge in Deutschland konnte stattfinden, weil die Maschinen und ihre Besatzungen aus dem nicht bestreikten europäischen Ausland gekommen waren. Auch die österreichische Laudamotion musste eine Reihe von Flügen absagen, da sie auf Leihmaschinen der Ryanair angewiesen ist.

Für Verdi ist es der erste Streik bei Ryanair. Die Gewerkschaft bezeichnete das Entgeltangebot der Iren als „völlig indiskutabel“. Neumaier sagte, es habe nur „sehr wenig Bewegung in nur kleinen Einzelpunkten gegeben“. Das Basisgehalt solle nach dem Ryanair-Angebot über einen Zeitraum von drei Jahren nur um 41 Euro angehoben werden. Für vollzeitbeschäftigte Ryanair-Flugbegleiter liege es derzeit zwischen 800 und 1200 Euro brutto monatlich. Mit Flugstunden-Vergütung und Zuschlägen kämen sie auf etwa 1800 Euro, die Crew-Leiter auf 2700 Euro. Das Niveau liege um etwa 1000 Euro unter vergleichbaren Billigfliegern wie Easyjet.

„Die Gehälter der Flugbegleiter bei Ryanair sind so niedrig, dass sie nicht ausreichen, um einen auskömmlichen Lebensstandard zu sichern. Dazu kommen schlechte Arbeitsbedingungen und ein massiver Druck auf die Beschäftigten“, kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Behle. Die Haltung der Arbeitgeber sei verantwortungslos. Die VC zeigt sich unbeeindruckt von zwischenzeitlich erreichten Teileinigungen mit Piloten in Irland und Italien. Sie seien nicht umfassend genug und könnten nicht als Blaupause für eine Lösung in Deutschland dienen, erklärte die VC in Frankfurt. Die Parteien konnten sich auch nicht auf einen Schlichter einigen, wie es Ryanair zur Konfliktlösung vorgeschlagen hatte. Laut VC beharrte das Management auf einem Mediator aus Irland, der nicht über die für Deutschland notwendigen Rechtskenntnisse verfüge. Umgekehrt habe Ryanair mehrere von der VC vorgeschlagene Schlichter abgelehnt.