Kaufratgeber Stiftung Warentest

So finden Sie das richtige E-Bike

Im Jahr 2017 sind 720.000 Elektrofahrräder verkauft worden. Das sind mehr als 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Ratgeber-Autor Karl-Gerhard Haas über den Weg zum richtigen E-Bike.

Pedelecs sind aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. (Copyright: www.pd-f.de, Gregor Bresser)

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Die Fahrradsaison hat für viele Menschen begonnen, oft kaufen sie im Frühling neue Räder. Im Verlag Stiftung Wartentest ist nun der Ratgeber E-Bike & Pedelec erschienen. Er hat 176 Seiten und kostet 19,90 Euro, verfasst von Autor Karl-Gerhard Haas in Zusammenarbeit mit Fachberater Felix Krakow. Haas über die richtige Wahl beim Kauf.

WirtschaftsWoche: Die Menschen kaufen in Fahrradgeschäften immer seltener normale Räder, dafür umso mehr E-Bikes. Sind die so viel anders? Warum braucht es dazu einen Ratgeber wie Ihren, der nun in den Buchhandel kommt?

Haas: Der Hintergrund ist, dass der Markt, wie die Zahlen des Zweirad-Industrie-Verbands für 2017 belegen, enorm wächst. Das heißt auch, dass immer mehr Hersteller sich in dem Markt tummeln. Es herrscht dort Goldgräberstimmung, die zu einer immer unüberschaubareren Palette an Angeboten führt.

E-Bikes, also Pedelecs, die mit Trittkraftunterstützung arbeiten, sind gesetzlich reglementiert. Sie dürfen bis Geschwindigkeiten bis zu 25 Kilometer pro Stunde unterstützen - eigentlich doch eine einfache Sache.

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Am Markt gibt es aber auch immer mehr verschiedene Antriebe. Nicht nur die Frage ob der Motor im Vorderrad sitzen soll oder beim Tretlager - die Antriebe werden von immer mehr Herstellern angeboten und haben natürlich Unterschiede. Autozulieferer, die Motoren für Fahrräder anbieten, klassische Fahrradunternehmen wie Shimano, aber auch Technikkonzerne wie Panasonic sind dabei neben Fahrradmarken wie Giant.

Und die sind so unterschiedlich?

Ja - schauen Sie auf die Angebote der Anbieter - viele haben vier bis fünf Antriebspakete für die unterschiedlichen Anwendungen im Portfolio. Der Kunde muss also sehr genau wissen, was er will.

Wie äußern sich die Unterschiede?

Zum Beispiel bei der Art, wie das Fahrrad die Trittkraft unterstützt - eher sanft oder gleich mit einem stark beschleunigenden Drehmoment. Wenn Käufer wieder ein Rad benutzen wollen nach langen Jahren der Pause, ist es vielleicht besser eines zu wählen, dass dem Rechnung trägt. Sportliche Mountain-Bike-Fahrer haben da sicher ganz andere Ansprüche an das Drehmoment. Die Motorleistung ist zwar gedeckelt - wie sich die Kraft entfaltet aber nicht. Und das ist ausdrücklich keine Aussage über die Qualität, sondern eine Frage der Nutzung.

Akku - je größer desto besser?

Wenn es so einfach wäre. Größerer Akku. Wenn Sie jedoch täglich eher zehn bis 20 Kilometer zurücklegen und im Büro ihren Akku laden können - dann sind sie mit einem leichteren und günstigeren vielleicht besser bedient.

Reichweite ist ein wichtiges Thema...

...aber enorm schwer festzulegen. Geht es Berge hoch? Nutzen Sie die Trittkraftunterstützung voll, weil sie eigentlich gar nicht treten wollen oder benötigen sie nur ein wenig - dann kommen sie auch weiter.

Sind das die wichtigsten Dinge?

Zu Beginn steht wie beim normalen Fahrrad immer die Frage: Zu welchem Zweck benötigen sie es? Tourenrad? Klapprad, weil sie es im öffentlichen Nahverkehr mal mitnehmen möchten oder im Auto? Es gibt sogar Rennräder mit Motor.

Aber dann habe ich es endlich?

Leider nein. Riemenantrieb? Kette? Welche Art der Schaltung? Welche Art der Bremsen? Das müssen Sie sich überlegen. Am besten bevor Sie zum Händler gehen oder eines im Internet bestellen. Dafür ist dann so ein Ratgeber da, damit Kunden sich die passenden Händler suchen können - denn bei der Vielfalt ist kein Händler mehr in der Lage das gesamte Angebot abzubilden.

Dann kann ich ja gleich bequem im Internet ordern - da gibt es die Auswahl.

Das können Sie, wenn sie sehr genau wissen, was sie wollen. Ansonsten ist das Fahrgefühl von Antrieb zu Antrieb eben unterschiedlich. Meines Erachtens ist eine Probefahrt beim Pedelec noch wichtiger als bei einem konventionellen Rad.

Und wenn ich eigentlich ein tolles konventionelles Rad habe, das mir lieb ist?

Selbst sollte man sich da nur daran wagen, wenn man sehr erfahren ist. Dafür gibt es spezialisierte Unternehmen, die wissen, welche Räder geeignet sind und die Gewährleistung übernehmen. Nur eines sollte man nie tun.

Das wäre?

Man kann nicht genug darauf hinweisen - auch wenn sich noch so viele Tipps zum Tuning der E-Bikes finden, damit die schneller als 25 Kilometer pro Stunde fahren - dann erlischt die Betriebserlaubnis. Und im Falle eines Unfalles zahlt weder Versicherung noch Krankenkasse. Es ist einfach schön blöd und ich kann nur raten: Lassen sie es.