Justus Haucap

„Die Energiewende ist ein teurer Sonderweg“

Interview von Max Haerder

Der Ökonom Justus Haucap über eine verfehlte Energiepolitik, mangelnden Wettbewerb und sein fehlender Glaube an staatliche Steuerung.

Justus Haucap

Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Haucap, ist die Energiewende ein Erfolg?
Herr Justus Haucap: Das kann man leider nicht sagen. Sie ist ein nationaler Sonderweg, gepflastert mit Milliarden an Subventionen. Und der Ertrag des Ganzen ist höchst bescheiden: Deutschland produziert zwar Unmengen an Ökostrom, aber wir stoßen kaum weniger CO2 aus als vor der Energiewende. Das sollte doch das eigentliche Ziel sein.

Die Energiewende hat also für den Klimaschutz nichts gebracht.
Sehr wenig. Der größte Fehler beim Ausbau der Erneuerbaren Energien war es, diesen in keiner Weise mit dem marktwirtschaftlichen Instrument des Emissionshandels zu verbinden. So entsteht kein Druck auf die Treibhausgasemissionen.

Sollte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) dann munter weiter Ökostrom-Kapazitäten ausbauen?
Bitte nicht! Er sollte zuallererst mehr Wettbewerb ins System hineinbringen. Ausschreibungen für neue Wind- oder Solarparks waren ein erster richtiger Schritt. Und siehe da: Es wurde nicht teurer, sondern billiger.

Und was wünschen Sie sich noch?
Es gibt noch immer zu viele Sonderrechte. Um jede Erzeugungstechnologie steht weiter ein fester Schutzzaun. Die muss man alle einreißen.

Wie stehen Sie zum Netzausbau?
Er ist kostspielig und nicht gerade beliebt bei Bürgern. Aber ich vertraue den Einschätzungen von Experten, die sagen, dass der Netzausbau immer noch billiger ist als überall lokale autarke Stromerzeugung.

Sehen Sie im schwarz-roten Koalitionsvertrag denn ein paar hoffnungsvolle Ansätze?
Ja, durchaus. Eine Reform der Netzentgelte wäre überfällig. Die Verteilnetze werden zum einen immer mehr zu einer Art Marktplatz, über den Strom dezentral mal gekauft und mal verkauft wird, das sollte durch eine Beteiligung der Erzeuger an den Netzentgelten reflektiert werden. Zum anderen haben die Verteilnetze immer mehr eine Art Versicherungsfunktion, wenn die eigene Stromproduktion nicht ausreicht. Daher brauchen wir auch mehr verbrauchsunabhängige Netzentgelte.

Altmaier sucht ja immer noch einen Energiestaatssekretär. Wäre das nicht was für Sie?
(lacht) Verschonen Sie mich. Mein Glaube an staatliche Zentralplanung ist nicht ausgeprägt genug, als dass ich diesen Job gerne machen würde.