CDU-Wirtschaftsrat

Unternehmer drängen auf Steuersenkung

von Christian Ramthun

Der Wirtschaftsrat der CDU fordert in Briefen an Finanzminister Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Peter Altmaier Entlastungen für Unternehmen. Unternehmer warnen vor den Konsequenzen eines politischen Stillstandes.

Johannes Kirchhoff (Kirchhoff Group), Bettina Würth (Würth-Gruppe) und Martin Iffert (Trimet Aluminium SE).

Quelle: PR , imago, Montage

Wenn Deutschland jetzt nicht Pflöcke einschlage und die internationale Wettbewerbsfähigkeit ins Zentrum rücke, stehe zu befürchten, “dass Investoren einen großen Bogen um Deutschland machen”. Davor warnt der Wirtschaftsrat der CDU in gleichlautenden Schreiben an die beiden Bundesminister Scholz und Altmaier, die der WirtschaftsWoche vorliegen. Deutschland drohe von Investitionen in Milliardenhöhe abgeschnitten zu werden, etwa im Bereich der Digitalisierung. Deshalb fordert der Verband, dem gut 12.000 Mittelständler und Politiker angehören, über wettbewerbsfähige Steuersätze auch eine steuerliche F&E-Förderung sowie eine Entschlackung des komplizierten Steuerrechts. Auch namhafte Unternehmer schließen sich diesen Forderungen an und erklären aus ihrer unternehmerischen Sicht den Handlungsbedarf. Eine Auswahl:

Ulf Gehrckens

Senior Vice President (Corporate Energy & Climate Affairs) Aurubis AG, Hamburg

Die Aurubis AG produziert aus Kupferkonzentrat und Recyclingmaterialien hochreines Kupfer und verarbeitet es weiter zu Vorprodukten. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 6.400 Mitarbeiter und erzielte 2016/17 einen Umsatz von 11 Milliarden Euro.

1. „Es ist Realität, dass es international einen starken Trend zu Entlastungen von Unternehmen gibt (USA, Belgien, Frankreich, UK, etc.). Dauerhaft kann sich Deutschland keine höhere Steuerbelastung als andere Industriestaaten leisten. Stimmen die steuerlichen Rahmenbedingungen nicht, hat dies neben den direkten Folgen aus dem Nachlassen der Investitionen und der damit einhergehenden Verlagerung von Arbeitsplätzen natürlich Auswirkungen auf die Gewinne der Unternehmen, die Deutschland besteuern will.“

2. „Energieintensive deutsche Unternehmen zahlen weltweit die höchsten Energiepreise und können diese z. T. nicht auf die Produkte umlegen (z.B. bei börsennotierten Preisen). Dieses gilt insbesondere auch für alle regionalen Sonderlasten, wie z.B. europäische Energiesteuern oder Finanztransaktionssteuer.“

Heinrich Baumann

Geschäftsführender Gesellschafter, Eberspächer Gruppe GmbH & Co. KG, Esslingen

Die Eberspächer Gruppe zählt weltweit zu den führenden Systementwicklern und -lieferanten für Abgastechnik, Fahrzeugheizungen, Bus-Klimasysteme, Klimasysteme für Sonderfahrzeuge und Fahrzeugelektronik. Das Unternehmen erzielte 2017 einen Umsatz von 4.5 Milliarden Euro und beschäftigte weltweit 9.500 Mitarbeiter.

1. „Was Deutschland vor allem fehlt, ist eine dramatische Vereinfachung seines Steuersystems. Ich bin überzeugt, dass die Aussage, dass Transparenz durch Einfachheit Gerechtigkeit erzeugt, richtig ist. Ein einheitlicher Steuersatz auf alle Einkommensarten bei Abschaffung aller Absetz-Tatbestände ist der richtige Weg.“

2. „Die hohen Löhne und Lohnnebenkosten haben bereits wesentliche Auswirkungen auf Deutschland. Direkte angelernte Arbeit ist bereits heute kaum wettbewerbsfähig. Unser Unternehmen investiert seit Jahren nicht mehr in solche Arbeitsplätze in Deutschland, und diese Arbeitsplätze wurden und werden weiter reduziert.“

Dr. Johannes F. Kirchhoff

Managing Partner, KIRCHHOFF Group, Iserlohn

Die KIRCHHOFF Group ist Entwicklungspartner der Automobilindustrie für komplexe Metall- und Hybridstrukturen für Rohkarosserie und Fahrwerk, führender Hersteller von Abfallsammelfahrzeugen, Liftersystemen und Kehrmaschine sowie Schraubwerkzeugen und individuellen Automobilumrüstungen. Mit den vier Geschäftsbereichen erzielte die Gruppe 2017 einen Umsatz von 2,1 Milliarden Euro mit weltweit über 12.300 Beschäftigten.

"Wir sind schon mit großen Teilen unserer Produktion im wettbewerbsfähigeren Ausland und erzielen dort auch den Großteil unserer Gewinne. Das ist inzwischen bei vielen der Fall", Johannes Kirchhoff.

Quelle: PR

1. „Nach den Steuersenkungen für Unternehmen in den USA und EU-Nachbarstaaten ist Deutschland wieder ins hintere Feld abgerutscht. Es wäre also an der Zeit, die Unternehmenssteuer zu überprüfen und dem internationalen Wettbewerb anzupassen. Das günstigere Steuern entsprechend beflügeln und motivieren können, haben wir als Unternehmer, unsere Mitarbeiter, unsere Volkswirtschaft insgesamt nach der letzten Unternehmenssteuersenkung feststellen können. Der Beweis ist erbracht.“

2. „Wir sind schon mit großen Teilen unserer Produktion im wettbewerbsfähigeren Ausland und erzielen dort auch den Großteil unsere Gewinne. Wie uns auch  allgemein bekannt ist, ist das im Übrigen bei inzwischen vielen deutschen Unternehmen der Fall. Deutschland kann nicht nur ein Forschungs- und Entwicklungsstandort bleiben, sondern gefährdet diese Position extrem, wenn nicht auch in gewissem Umfang die dazugehörige Produktion stattfindet.“

Detlev Seeliger

Geschäftsführer Mapco Autotechnik, Borkheide in Brandenburg.

MAPCO-Autoteile umfassen Bremsen, Lenkungs- und Chassisteile oder hydraulische und mechanische Lenkgetriebe. Ursprünglich in Frankreich als Aktiengesellschaft gegründet, werden heute sämtliche MAPCO-Aktivitäten von Borkheide bei Berlin gesteuert.

1. „Als Brandenburger Unternehmer sage ich, dass die Abschaffung des Soli 29 Jahre nach dem Mauerfall ist überfällig ist. Zumal die Einnahmen längst nicht mehr dem Aufbau Ost zugutekommen. Der Soli ist für mich auch ein Symbol für die Unbeweglichkeit der Politik und für ihre Missachtung von Leistungsträgern.“

2. „Außerdem schlägt der Soli, der für Einzelpersonen wie Kapitalgesellschaften gilt, bei Personenunternehmen besonders stark zu. Aber auch im Ausland versteht keiner, dass es in Deutschland noch so eine Sondersteuer gibt. Da fragen sich Investoren, warum sich die Deutschen ihr Steuersystem durch so eine Zusatzsteuer auf die Körperschaftssteuer zusätzlich noch kompliziert machen.“

Dr. Martin Iffert

Vorsitzender des Vorstandes, TRIMET Aluminium SE, Essen

"Es ist absurd, wenn europäische Nachbarn wie die Niederlande mit niedrigeren Steuerquoten die Hauptverwaltungen von Unternehmen anlocken und so unseren Industriestandort schwächen", Martin Iffert.

Quelle: PR

Die Trimet Aluminium SE beschäftigt 1.600 Mitarbeiter an acht Standorten, die Leichtmetallprodukte aus Aluminium entwickeln, produzieren, recyceln, gießen oder vertreiben. Das Familienunternehmen erzielte 2016/2017 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro.

1. „Mehr Steuern bedeuten weniger Geld für Investitionen und Forschung. Es ist grotesk, wenn in manchen Medien zum Beispiel Amazon oder Google für die hohen Forschungs- und Entwicklung-Ausgaben gefeiert werden, diese Unternehmen aber gleichzeitig so gut wie keine Steuern zahlen.“

2. „Es bedarf einer europäischen Harmonisierung der Steuerlast. Es ist absurd, wenn benachbarte europäische Länder wie etwa die Niederlande mit einer niedrigeren Steuerquote die Hauptverwaltungen von Unternehmen anlocken und so den Industriestandort Deutschland schwächen.“

Bettina Würth

Vorsitzende des Beirats der Würth-Gruppe, Adolf Würth GmbH & Co. KG, Künzelsau

Die Würth-Gruppe ist Weltmarktführer im Handel mit Montage- und Befestigungsmaterial. In mehr als 400 Gesellschaften über 80 Ländern beschäftigt sie über 76.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2017 erzielte die Würth Gruppe Umsätze in Höhe von 12.7 Milliarden Euro.

"Eine unternehmensfreundliche und standortsichernde Steuerpolitik hat es seit der großen Reform um die Jahrtausendwende nicht mehr gegeben", Bettina Würth.

Quelle: PR

1. „Grundsätzlich muss man feststellen, dass Deutschland historisch nicht nur einen Standortnachteil durch hohe Körperschaft- und Einkommensteuersätze hat. Vielmehr haben die vergangenen Legislaturperioden, statt den dringend erforderlichen ordnungspolitischen Rahmen zu schaffen, das steuerliche Regelungskorsett zunehmend verkompliziert. Die Folge sind signifikante Rechtsunsicherheiten in der Rechtsbefolgung bei den Steuerpflichtigen und erhebliche strukturelle Vollzugsdefizite auf Seiten der Finanzbehörden.“

2. Kurz gesagt: Eine unternehmensfreundliche und standortsichernde Steuerpolitik hat in den letzten zwei Jahrzehnten seit der letzten großen Unternehmenssteuerreform um die Jahrtausendwende in Deutschland nicht mehr stattgefunden. Darüber sind wir uns in der Würth-Gruppe schon seit langem im Klaren und richten uns auch bei unseren unternehmerischen Entscheidungen danach.“

3. „Die wichtigste Forderung an eigentlich jede kommende Bundesregierung wäre, die Unternehmenssteuerpolitik nicht als plakative Steuersatzpolitik, sondern vielmehr als regulatorische Steuerordnungspolitik zu verstehen. Mithin sollte eine Bundesregierung, die das Ziel verfolgt, durch eine Unternehmenssteuerreform den Investitionsstandort Deutschland wieder nachhaltig attraktiv zu machen, von kurzfristigen Steuersatzänderungen absehen und stattdessen eine Reform vorlegen, die das deutsche Ertragssteuerrecht substanziell dereguliert und damit für die Unternehmen im wahrsten Sinne des Wortes „berechenbar“ macht.“