Private Krankenversicherung

Viele PKV-Anbieter leben von der Substanz

Der Niedrigzins setzt private Krankenversicherer unter Druck. Weitere Anbieter werden sich zurückziehen. Wenn vor allem finanzschwache Versicherer ausstiegen, wäre das für Neueinsteiger ein Gewinn.

Der Niedrigzins setzt private Krankenversicherer unter Druck.

Quelle: dpa

Die privaten Krankenversicherer (PKV) rutschen tiefer in eine Zwickmühle aus Niedrigzins und schleppendem Neugeschäft. Laut Map-Report ist die laufende Durchschnittsverzinsung der Kapitalanlagen der PKV-Anbieter im vergangenen Jahr auf 3,3 Prozent abgerutscht. Im Vorjahr waren es noch 3,5 Prozent. Und die 3,3 Prozent konnten die Krankenversicherer nur halten, weil sie verstärkt Bewertungsreserven auf den Kapitalanlagen aufgelöst haben. Die Bewertungsreserven sind gemessen am Gesamtbestand der Kapitalanlagen im Branchenschnitt von 16,8 auf 15,0 Prozent abgerutscht. Das heißt, viele PKV-Anbieter leben von der Substanz.

Gleichzeitig wachsen die Einnahmen der Krankenversicherer fast ausschließlich über Beitragserhöhungen. Im vergangenen Jahr lag das Beitragsplus bei 4,8 Prozent. Das ist der höchste Zuwachs seit 2010 mit plus 5,6 Prozent. Zwar sind solche Durchschnittswerte mit Vorsicht zu genießen, weil die Beiträge einzelner Tarife ganz unterschiedlich stark wachsen. Entscheidend sind vor allem der Gesundheitszustand der Versicherten im Tarif und wie nachhaltig der Versicherer die Prämien kalkuliert hat. Allerdings ist diese Häufung von Beitragserhöhungen ein Alarmzeichen.

Denn die Bedingungen für die PKV werden künftig härter. Vom 1. Januar 2019 an sinkt der Mindestbeitrag für Selbständige und Freiberufler in der gesetzlichen Krankenversicherung auf 171 Euro monatlich. Damit hat eine wichtige Klientel der PKV einen größeren Anreiz, freiwillig in der GKV zu bleiben. Schon jetzt suchen viele, ältere Privatversicherte nach einem Notausgang zu den gesetzlichen Kassen, weil ihnen die Beiträge weglaufen.

Der Mix aus stark steigenden Beiträgen, flauem Neugeschäft und sinkenden Kapitalerträgen bringt viele Krankenversicherer in eine prekäre Lage. Der Map-Report sieht daher den Markt auseinanderdriften: Die Starken gewinnen an Boden, die Schwachen fallen weiter zurück. Bilanzstarke Unternehmen werden die Niedrigzinsphase überstehen. Bei Anbietern, bei denen die Finanzen auf Kante genäht sind, droht sich die Situation zu verschärfen.

Damit wiederholt sich bei der PKV das Niedrigzins-Szenario, das schon bei den Lebensversicherern für eine harte Auslese sorgt. Private Krankenversicherer könnten sich auf das Geschäft mit Zusatzversicherungen zurückziehen. Folge: Für neue Versicherte gäbe es weniger Tarife zur Auswahl, auch der Wettbewerbsdruck hin zu einem attraktiven Preis-Leistungs-Verhältnis wäre vermutlich geringer. Es gibt allerdings auch einen positiven Effekt für Neueinsteiger: Bilanzschwache Versicherer, die sich aus dem Geschäft mit der PKV-Vollversicherung zurückziehen, können keine Kunden mehr in Tarife einfangen, die im Alter nicht mehr bezahlbar sind.

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