Mitarbeiter werben Mitarbeiter

Bewerber schätzen den Job auf Empfehlung

von Nora Schareika

Die Mitarbeiterempfehlung ist laut einer Umfrage ein beliebter und bequemer Weg, Fachkräfte zu finden. Viele Unternehmen nutzen die persönlichen Netzwerke ihrer Mitarbeiter aber noch nicht – oder nur unstrukturiert.

Wenn Mitarbeiter neue Mitarbeiter ins Unternehmen bringen, profitieren im besten Fall alle drei davon. Unternehmen sollten den Empfehlenden aber nicht die Verantwortung für die Performance der Neuen aufbürden.

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Wenn Firmen ihre Neuzugänge auf Empfehlung ihrer eigenen Mitarbeiter einstellen, dauert es meist nicht lange, bis einer „Klüngel“ ruft. Aber muss man es als Vetternwirtschaft abtun, wenn Mitarbeiter ihrem Unternehmen Bekannte oder Verwandte empfehlen? Oder ist es vielmehr eine clevere Alternative zur Stellenanzeige und mühsamen Rekrutierung der raren Fachkräfte auf dem freien Markt? Die Softwarefirma Softgarden hat hierzu im Juli und August 2018 rund 2400 Menschen befragt. Die meisten (48,6 Prozent) von ihnen Berufstätige und Arbeitssuchende (25,9 Prozent), sowie Studenten (12,3 Prozent) und einige Schüler, Selbstständige und Azubis. Die Umfrage zeigt: Die meisten Befragten stehen der Mitarbeiterempfehlung eher positiv gegenüber.

Demnach ist die Empfehlung das zweitwichtigste Tool zur Gewinnung neuer Mitarbeiter. Trotzdem besitzt nur eine Minderheit der Unternehmen bereits strukturierte Empfehlungsprogramme. Sechs von zehn Befragten haben in den vergangenen Jahren selbst schon einmal einen Arbeitsplatz nach einer Empfehlung aus ihrem persönlichen Netzwerk gefunden (59,7 Prozent). Damit rangiert die Empfehlung knapp hinter der Stellenanzeige, die 78,1 Prozent bereits in eine Anstellung gebracht hat.

Nicht überraschend, dass beide Wege zum Job auch ein recht hohes Vertrauen genießen: Großes oder eher großes Vertrauen bringen 87,9 Prozent der klassischen Stellenanzeige mit anschließender Bewerbung entgegen. 79,5 Prozent halten es aber auch für eine gute Sache, nach Empfehlung mit einem Unternehmen in Kontakt zu treten. Die anderen Rekrutierungswege landen weit abgeschlagen dahinter: Sogenanntes Active Sourcing – wenn Arbeitgeber Kandidaten über soziale Netzwerke suchen und ansprechen – oder Ansprache durch Headhunter sind deutlich unbeliebter; 41,8 beziehungsweise 35,9 Prozent vertrauen darauf.

Die Vorteile der Empfehlung sehen viele nicht nur aus Bewerber-, sondern auch aus Arbeitgeberperspektive. „Wenn Mitarbeiter ihren Arbeitgeber weiterempfehlen, schließe ich auf ein gutes Betriebsklima und zufriedene Angestellte“, bringt es einer auf den Punkt. Aus Arbeitgebersicht findet man den Hauptvorteil darin, dass der Empfehlende das Unternehmen gut kennt und mutmaßlich nur jemanden empfiehlt, dem er die Aufgaben zutraut. Zudem könne es dem Betriebsklima nützlich sein, wenn Mitarbeiter einander kennen und gerne zusammenarbeiten. Genau darin sehen Kritiker aber auch eine Gefahr: „Man kann einen Menschen erst in der täglichen Zusammenarbeit kennenlernen. Es ist nicht auszuschließen, dass eine Empfehlung zu subjektiv erfolgt und dass später die Chemie dann doch nicht stimmt.“

Mit Vitamin B zum Job hat aus Sicht der Befragten zwei Seiten. Zugutegehalten wird, dass Arbeitgeber auf Empfehlung Kandidaten finden, auf die sie mit klassischen Methoden nicht aufmerksam hätten werden können – weil der Kandidat sich nicht beworben hätte, nicht in sozialen Netzwerken aktiv oder anders auffindbar gewesen wäre. Manche sorgen sich aber, dass empfohlene Kandidaten womöglich andere ausstechen könnten – und zwar nur, weil sie von einem Mitarbeiter aktiv beworben werden: „Es ... könnte ... auch dazu führen, dass nicht die geeignetsten Kandidaten, sondern nur die Kandidaten, die die Mitarbeiter empfehlen, eingestellt werden“, heißt es bei den Freitext-Antworten der Befragung.

Meinungen sind das eine, konkrete Erfahrungen das andere. 62,1 Prozent der Befragten haben bereits selbst aktiv jemanden für eine Stelle in ihrem Unternehmen empfohlen. Bei 53,1 Prozent geschah dies, ohne dass das Unternehmen ein Mitarbeiterempfehlungsprogramm hatte. Bei neun Prozent war dies der Fall. Es zeigt sich damit, dass die Praxis der Empfehlung sehr viel verbreiteter ist als entsprechende systematische Programme, die häufig auch eine Prämie für erfolgreiche Empfehlungen vorsehen.

Von den Empfehlenden gaben zwei Drittel (67 Prozent) an, mit der Vermittlung eines Freundes oder eines Familienangehörigen immer noch zufrieden zu sein. Bei 19 Prozent fällt die Bilanz durchwachsen aus, 14 Prozent bereuen ihre Empfehlung. Von glücklichen Mitarbeitern und langjährigen Arbeitsverhältnissen bis hin zu schweren persönlichen Enttäuschungen ist an Erfahrungen alles dabei. Im schlimmsten Fall passieren Dinge wie dieser Betroffene beschreibt: „Die Empfehlung hat sich später als falsch herausgestellt, da der Mitarbeiter beruflich eine ganz andere Seite als im privaten Umfeld gezeigt hat.“

Erfahrung als Empfohlene

Mehr als die Hälfte der Befragten ist auch schon selbst einmal empfohlen worden. 40,6 Prozent gaben an, auf eine Empfehlung hin auch eingestellt worden zu sein, 10,3 Prozent wurden trotz Empfehlung nicht eingestellt. 43,7 Prozent haben die Erfahrung noch nicht gemacht, wären dieser Variante gegenüber aber aufgeschlossen. Lediglich 5,5 Prozent sagen: Ich lege keinen Wert darauf. Ihnen ist es wichtig, aus eigener Kraft eine Stelle zu finden und empfinden die Empfehlung als Schummelei.

Über diesen Weg bin ich in den vergangenen Jahren am häufigsten zu einem Job gekommen:

Trifft zu

Trifft eher zu

Kann ich nicht einschätzen

Trifft eher nicht zu

Trifft nicht zu

Stellenanzeige und anschließende Bewerbung

54,8%

23,3%

7,0%

7,1%

7,9%

Ansprache durch den Arbeitgeber auf Xing oder LinkedIn

7,1%

10,8%

14,4%

19,0%

49,0%

Ansprache durch Headhunter

8,0%

15,0%

13,2%

13,7%

50,2%

Empfehlung durch mein Netzwerk (Freunde oder die Familie)

26,2%

33,5%

8,2%

10,9%

21,3%

Initiativbewerbung

20,3%

23,2%

12,8%

15,1%

28,6%

Quelle: Umfrage von softgarden e-recruiting GmbH/September 2018

Die Bilanz derer, die so einen Job gefunden haben, liest sich zum Beispiel so: „Ich hatte dadurch einen internen Mentor, welchen ich um Rat fragen konnte bei allgemeinen betrieblichen Abläufen und internen Beziehungen.“ Andere erhoffen sich vom Empfohlen-werden einen leichteren Zugang zu einer Stelle, die nicht öffentlich ausgeschrieben worden wäre. Dabei hoffen sie auch, dass die Angaben ihres Bekannten oder Verwandten für den potentiellen Arbeitgeber „griffiger“ sei als Zeugnisse oder ein eigenes Anschreiben.

Manche Unternehmen zahlen für eine erfolgreiche Vermittlung stattliche Prämien in vierstelliger Höhe. Obwohl die Empfehlenden davon im besten Fall direkt profitieren, fällt die Bewertung der Prämienpraxis nicht so eindeutig aus. 15,3 Prozent der Befragten halten dies zwar für sehr gut, 41,8 Prozent für gut. Sie begründen das mit dem Gewinn für das Unternehmen, wenn es einen guten neuen Mitarbeiter einstellen kann. Zudem spare die Firma die nicht unerheblichen Kosten einer Ausschreibung und eines Bewerbungsverfahrens, ganz zu schweigen die eines Headhunters. „Man bringt einen Mehrwert in die Firma. Da die Prämie nur bei Erfolg gezahlt wird, verhindert das das wahllose Empfehlen“, schreibt einer der Befragten.

Eher kritisch oder sogar negativ sehen andere die Prämie. Sie setze einen falschen Anreiz und beraube die Empfehlung aus Überzeugung ihres Sinns, meinen sogar knapp zehn Prozent. „Wenn primär finanziell Erwägungen die Triebfeder sind, erwarte ich keine ausgewogene Entscheidung“, begründet einer seine Skepsis.