Junge Unternehmen

10 Start-ups, die die Luxusbranche aufmischen

Auch in der Luxusbranche fordern junge Unternehmen die etablierten Konzerne heraus. Zehn Start-ups mit besonders vielversprechenden Geschäftsmodellen – und welche Mitarbeiter sie suchen.

Junge Unternehmen fordern die Konzerne der Luxusbranche heraus.

Quelle: imago

1. Chronext: Uhrenmarkt einer neuen Zeit
Der Luxus-Uhrenmarkt galt lange Zeit als geschlossene Gesellschaft. Chronext hat das nie gestört: Die Online-Plattform startete als Marktplatz für gebrauchte Chronometer und investierte früh in eine eigene Meisterwerkstatt, um teure Uhren aufzuarbeiten. Heute sind 26.000 Modelle im Angebot, Mitte Mai wurde die Plattform offiziell von der Swatch Group zertifiziert. 130 Mitarbeiter arbeiten heute für das in Köln gestartete Start-up, der Großteil ist immer noch hier beschäftigt. Gesucht werden vor allem Spezialisten rund um den E-Commerce, etwa Online-Marketer oder Entwickler. Alleine im vergangenen Jahr kamen 40 Angestellte dazu. Auch in anderen deutschen Städten und im schweizerischen Zug ist das Start-up vertreten. Das Büro in München kam auf Anregung einer Mitarbeiterin im vergangenen Jahr dazu, heute leitet sie es. „Wichtig ist, dass unsere Mitarbeiter sich als Teil des Ganzen fühlen“, sagt Mitgründer Philipp Man, „nicht als kleines Rädchen in einem großen Unternehmen.“
www.chronext.de 

2. Heuritech: Digitale Trüffelschweine
Bei der Suche nach dem nächsten Luxustrend setzt Heuritech auf künstliche Intelligenz. Die Software des 2013 gestarteten französischen Start-ups scannt mehr als 100 Millionen Internetseiten sowie Profile in sozialen Medien nach Marken und Produkten. Produktmanager und Marketingspezialisten können so erfahren, wie ihre Ideen ankommen – und welche Trends sich in der Welt ausbreiten. Die Sozialen Medien würde die Macht von Hochglanz-Magazinen zu den Millionen Kunden verschieben, sagte Gründer Tony Pinville mal auf einer Konferenz. Die ersten Kunden konnten sich sehen lassen: Louis Vuitton und Christian Dior buchten die Dienstleistungen der Pariser. Gesucht werden exzellent ausgebildete KI-Spezialisten, etwa die Hälfte der 20 Mitarbeiter hat einen Doktortitel.
https://www.heuritech.com/ 

3. JetSmarter: Uber der Lüfte
Ein kurzes Hallo aus dem Jachtclub in Miami, ein Winken aus dem Heli über New York oder ein freundliches Lächeln aus dem Privat-Shuttle zwischen Dubai und Riad: Das Instagram-Profil von JetSmarter-Chef Sergey Petrossov ist pure Werbung für sein Start-up. Die Plattform vermittelt ihren Mitgliedern Sitze in exklusiven Privatjets, die ansonsten leere Rückflüge antreten würden. Einige davon sind für Mitglieder sogar inklusive – die Jahresgebühr startet allerdings bei knapp 5000 US-Dollar. Bei anderen Flügen sinken die Kosten auf First- oder Businessclass-Niveau, weil sie auf die acht bis zwölf Plätze im Luxusjet verteilt werden. Hauptsitz ist Fort Lauderdale nahe Miami, aber auch für London sind Jobs ausgeschrieben, etwa für Geschäftsentwicklung oder Vertrieb. Gerne gesehen: Kenntnisse der russischen Sprache und des dortigen Marktes. Mit einem vergleichbaren Konzept – einem klug kalkulierten Linienflugplan für Privatjets – arbeitet auch das in Wien und Dubai ansässige Start-up JetClass.
www.jetsmarter.com 

4. Entrupy: Code gegen Kopierer
Nichts verabscheuen Luxuskonzerne so sehr wie Produktfälscher. Das US-Start-up Entrupy schaltet sich mit digitaler Technologie als Schutzwall dazwischen. Fotos von teuren Handtaschen – Chanel, Chloe oder Hermès – überprüft ein Algorithmus auf Echtheit. Händler können den Service von Entrupy für eine monatliche Gebühr abonnieren und so ihre Produkte mit digital hinterlegtem Zertifikat verkaufen. Das Entrupy-Team ist selbstbewusst: Zu 98,5 Prozent erkenne der Algorithmus mögliche Fälschungen – rutscht doch einmal eine durch, erstattet das Start-up die Kosten für das Originalprodukt. Jobs? Aktuell allerdings Fehlanzeige.
www.entrupy.com 

5. Nicki's: Markenarbeit für Kind und Karriere
Ein E-Commerce-Start-up mit einer 33 Jahre alten Geschichte? Das geht: Die Plattform für Luxus-Kindermoden Nicki’s startete 1985 als Ladengeschäft in Rottach-Egern. Eine neue Unternehmergeneration übernahm Marke und Laden im Jahr 2009 und feilt seitdem am digitalen Wachstum. „Historie, Tradition, Vertrauen – all‘ diese Werte sind zentral für die Luxusgüterbranche“, sagt Mitgründer Fabian Bender. Er und Kompagnon Alexander Jost kommen aus dem Digitalsektor, Maria Sottor brachte die Erfahrung im Luxussegment mit. Heute arbeiten etwa 40 Mitarbeiter für das Start-up in München, knapp 20 Stellen sind ausgeschrieben – vom Junior-Produktmanager bis zum Vertriebsleiter. Das Management wirbt mit viel Verantwortung und internationalen Möglichkeiten, schließlich steht die Expansion in Europa gerade an. „Wir sind sehr offen, was neue Geschäftsfelder angeht – wenn jemand gute Ideen hat, kann er oder sie die sofort umsetzen“, sagt Bender. Aktuell verpacken die Mitarbeiter etwa Burberry-Jäckchen oder Dolce&Gabbana-Slipper in Seidenpapier mit Fußball-Optik.
www.nickis.com

 6. Business of Fashion: Digitale Modehauptstadt
Im Netz ist jeden Tag Fashion Week: Das 2007 gestartete Online-Portal Business of Fashion hat sich als Anlaufstelle für alle Modeschaffenden und -fans etabliert. Gegründet von Modejournalist und -berater Imran Amed, arbeiten heute mehr als 80 Mitarbeiter für das Start-up mit Hauptsitz in London. Mit Analysen und News zur Luxusindustrie zieht „BoF“ die Leser an, mit Markenkooperationen, Konferenzen und Stellenportal verdient das junge Unternehmen Geld. Für das eigene Team werden gerade (bezahlte) Redaktionspraktika und Korrespondentenplätze für London und Paris vergeben. Außerdem gesucht: Entwickler, Buchhalter – und Mitarbeiter für das neu entstehende Seminarangebot.
https://www.businessoffashion.com/ 

7. Farfetch: Exklusives Amazon
Mehr als 130 offene Stellen in Porto, gut 100 Angebote am Hauptsitz in London, über 40 Jobs in Lissabon: Die Online-Boutique Farfetch ist auf Expansionskurs. Mit Mode von Alexander McQueen bis Valentino, teuren Turnschuhen und hochwertigen Uhren will das Portal alle Kunden erreichen, die Wert auf Luxus legen. In einigen Mode-Hauptstädten wie Paris, Mailand oder Miami garantiert Farfetch sogar die Zustellung am selben Tag. Eine Finanzierungsrunde im vergangenen Jahr katapultierte das 2007 gegründete Start-up zu einer Milliardenbewertung. Gut möglich, dass bald auch Rechtsexperten und Kommunikatoren für einen Börsengang gesucht werden.
www.farfetch.com 

8. Vojd Studios: Luxus wie gedruckt
Luxus aus Neukölln: In dem Berliner Stadtteil sitzt das 2013 gegründete Vojd Studios. Die Gründer Christian Hartung und Hristiyana Vucheva setzen auf 3D-Druck für ausgewählte Unternehmen. So entstehen personalisierte Schirmgriffe, Uhren-Armbänder oder Gürtel – als Auftragsfertigung für Firmen wie das Schweizer Modehaus Akris oder Designerin Carolina Herrera. Das Team glaubt an die Macht der individualisierten Luxusprodukte: „Die langfristigen Vorteile für Marken sind signifikant“, sagte Hartung gegenüber der „New York Times“. Etwa 15 Mitarbeiter sind heute für das Start-up tätig, ausgeschrieben sind Praktika und Werksstudenten-Stellen für Produkt-Designer.
https://vojdstudios.com 

9. Memory Mirror: Schlauer Shopping-Spiegel
Spieglein, Spieglein, an der Wand: Das Start-up mit Standorten im Silicon Valley, Paris und Tokio entwickelt einen vernetzten Ankleidespiegel. Die Kamera speichert die Clips, kann Vergleiche zwischen ausprobierten Modellen liefern und wechselt virtuell sogar die Farbe der Kleidungsstücke. Das Start-up wirbt mit Kunden wie der US-Nobelhauskette Neiman Marcus, LVMH oder der französischen Kosmetikkette Sephora. Wer „offen für Abenteuer in jeder Perspektive ist“, so heißt es von Memory Mirror, sei im Team herzlich willkommen.
http://memorymirror.com/ 

10. Cedex: Funkelnde Blockchain
Seltene Steine und gehypte Technologie: Das in Tel Aviv beheimatete Start-up Cedex bringt beides zusammen. Das Team arbeitet an einem neuen Marktplatz für Diamanten, der Privatanlegern offen stehen soll. Die Basis für Abwicklung und Bezahlung liefert die Ethereum-Blockchain. Durch den Verkauf von digitalen Anteilen besorgte sich das Start-up gerade Geld, in Zukunft sollen Handelsgebühren Umsatz bringen. Etwa 15 Mitarbeiter sind für Cedex tätig, Stellen sind zurzeit nicht ausgeschrieben.
https://cedex.com/