Deutsche Softwareschmiede

Celonis wird zum Milliarden-Start-up

Der Prozessoptimierer Celonis sammelt 50 Millionen Dollar ein und vermeldet eine Milliardenbewertung. Damit steigt das Münchner Start-up in den illustren Kreis der sogenannten „Einhörner“ auf.

Celonis

Quelle: Presse

Platin-Status für eine Software-Schmiede: Das in München gegründete Start-up Celonis hat eine Wachstumsfinanzierung abgeschlossen, die Celonis 50 Millionen Dollar (umgerechnet 43 Millionen Euro) einbringt. Rechnerisch steigt der Firmenwert nach Angaben des Start-ups mit der neuen Finanzierung auf eine Milliarde Dollar. Das Geld stammt von den US-Risikokapitalgebern Accel und 83 North.

Mit den gleichen Geldgebern hatte Celonis bereits eine Finanzierungsrunde absolviert: Die US-Investoren hatten vor zwei Jahren bereits 27,5 Millionen Dollar in das Start-up gesteckt. Zuvor war das Unternehmen ausschließlich aus eigener Kraft gewachsen. Die drei Gründer Alexander Rinke, Bastian Nominacher und Martin Klenk halten nach eigenen Angaben auch nach der erneuten Finanzierungsrunde weiterhin die Mehrheit an ihrem Unternehmen.

Zu WirtschaftsWoche Gründer sagte Mitgründer Bastian Nominacher, die Finanzierung sei ein „Turbobooster“ für das Start-up: „Wir sind weiterhin profitabel, aber das Investment versetzt uns in die Lage, mehr in das Wachstum und in das Produkt zu investieren.“

Celonis steigt mit der Finanzierung in den illustren Kreis der sogenannten „Einhörner“ auf: Dabei handelt es sich um Start-ups, die zumindest rechnerisch mindestens eine Milliarde US-Dollar wert sind. In Deutschland gehören dazu vor allem Firmen, die sich mit ihren Produkten und Dienstleistungen direkt an Verbraucher wenden, wie etwa Zalando, Hello Fresh oder Auto1. Celonis mit seinem Fokus auf Geschäftskunden bewegt sich aktuell eher in den Fußstapfen des Softwarekonzerns SAP – der die Produkte von Celonis auch an seine Kunden mit vertreibt und den Münchenern so beim Wachstum geholfen hat.

300 neue Stellen

Mit der Finanzierung soll nun unter anderem die Produktpalette des sogenannten Process Minings erweitert werden. Die Software des Start-ups dockt an bestehende Systeme in Unternehmen an. Die Algorithmen sollen dann aufzeigen, wo Prozesse umständlich funktionieren und wie sie effizienter gelöst werden können – was so Kosten in Vertrieb, Produktion und Buchhaltung einsparen kann.

Den ohnehin optimistischen Wachstumskurs musste das 2011 gegründete Start-up nun noch einmal nach oben korrigieren: „Wir haben den Innovationsgrad und den Mut unserer Kunden unterschätzt“, sagt Nominacher. Viele der Nutzer – als Referenzkunden nennt Celonis unter anderem Siemens, General Motors, Bayer, Airbus oder Vodafone – hätten nach ersten Pilotprojekten die Software in weitere Bereiche der Konzerne ausgerollt. Die Zahl der Mitarbeiter soll alleine im Laufe der nächsten zwölf Monate von aktuell 400 auf 700 steigen.

Regional steht insbesondere die USA im Fokus. Erst im September 2016 ist das Start-up hier mit einem eigenen Büro gestartet, nun kommen drei weitere in einem ersten Schritt hinzu. Annähernd die Hälfte des Gesamtumsatzes entstehe mit US-Firmen, heißt es von Celonis.

Börse im Visier

Beim Thema Umsatz ist ansonsten jedoch eine neue Verschwiegenheit eingekehrt: Sprünge über die Schwelle von zehn und zwanzig Millionen Euro an Einnahmen wurden in der Vergangenheit offen kommuniziert, zum aktuellen Stand will Nominacher jedoch keine Aussagen machen. Bei den enormen Wachstumsraten von Celonis dürfte für 2018 jedoch ein Umsatz im mittleren bis höheren zweistelligen Millionenbereich realistisch sein.

Damit bleibt auch der nächste große Schritt im Blick: Mehrfach hatte Mitgründer Alexander Rinke in den letzten Jahren das Jahr 2020 als Ziel genannt, im Gespräch mit Gründerszene hatte er dafür einen Mindestumsatz von 100 Millionen Euro ins Spiel gebracht – bei den aktuellen Wachstumszahlen dürfte der Kurs dabei stimmen. „Wir wollen ein großes Unternehmen aufbauen“, sagt Nominacher, „da ist der Börsengang das realistische Szenario.“